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Dienstag, 6. Oktober 2015

»Einheit ist Selbstverständlichkeit«

Ex-CDU-Bundesgeschäftsführer Radunski blickt zurück – Strothmann kritisiert Verhalten der anderen Parteien

Bielefeld (WB). Sein Kennzeichen während der Kohl-Ära, der üppige, schwarze Schnurrbart, ist unauffällig grau geworden. Peter Radunski (76), ehemaliger Bundesgeschäftsführer der CDU, zeigte als Festredner bei der traditionellen Feier der CDU zum Tag der Deutschen Einheit auf der Sparrenburg, warum er in seinen aktiven politischen Tagen als Strippenzieher galt.

Radunski, der früher auch als Senator für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Berlin agierte, wartete mit persönlichen Erinnerungen zum Mauerbau auf. »Da war ich gerade als Student in Straßburg. Das Ereignis hat mich ungeheuer politisiert«, sagt er. Zudem berichtete er von seinen Erinnerungen zum Mauerfall. Radunskis Bilanz nach 25 Jahren deutsche Einheit: »Gelungen, inzwischen eine Selbstverständlichkeit.«

Er beschrieb den »Zickzack-Kurs«, der zunächst gefahren worden sei, wie es gelang, die deutsche Einheit schnell auf die Tagesordnung der Weltpolitik zu heben. Über seine Partei, die CDU, sagte er, sie müsse sich als Volkspartei immer wieder modernisieren: »Wir müssen zurückfinden von den kleinen Gedanken, die uns ärgern, zu den großen Gedanken, die uns stärken.«

Lacher erntete Peter Radunski mit der Erinnerung an die erste politische Rede, die er gehalten habe. Die nämlich habe den Titel getragen »Die CDU ist nicht kaputt zu kriegen, es sei denn durch sich selbst«. 1961 sei er Mitglied im RCDS (Ring Christlich-Demokratischer Studenten) geworden und dort habe er Elmar Brok, den Bielefelder Europa-Parlamentarier kennengelernt. Der gehörte nicht zu den mehr als 200 Gäste der Einheits-Feier auf der Sparrenburg – Brok war selbst Festredner in Paderborn. Peter Radunski: »Aber wir haben heute morgen zusammen gefrühstückt.«

Die Bielefelder Bundestagsabgeordnete Lena Strothmann sprach über ihr »Gänsehaut-Gefühl«, das sie immer noch habe, wenn sie die Bilder vom Mauerfall sehe: »Für die deutsche Einheit gab es nur ein kurzes Zeitfenster und Helmut Kohl hat zugepackt.« Die CDU-Politikerin bedauerte, dass es seit 25 Jahren immer nur die CDU sei, die die deutsche Einheit am 3. Oktober feiere: »Es ist traurig, dass sich keine andere Partei anschließt, es gab immer nur ein müdes Abwinken.«

Lena Strothmann sprach auch die aktuelle Flüchtlings-Krise an und bezeichnete diese als »eine Herausforderung, wie es sie seit der Wiedervereinigung nicht mehr gegeben hat«. Sie selbst teile die Zuversicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel, sage aber auch: »Wir dürfen uns nicht überfordern. Auch, wenn das Herz weit ist – die Möglichkeiten sind endlich.« Sie erwarte zudem von den Flüchtlingen, dass diese sich an die »Regeln halten und vor allem andere Menschen akzeptieren und tolerieren«.

Sie sei, so Lena Strothmann, beeindruckt nicht nur von der Herzlichkeit, mit der die Flüchtlinge in Empfang genommen würden, sondern auch von den Menschen bei den Hilfsorganisationen, in den Ämtern und bei der Polizei, »die einfach alle die Ärmel aufgekrempelt und angepackt haben«.

Zum Jubiläums-Einheitstag gekommen waren unter anderem Alt-Oberbürgermeister Eberhard David und Frau Gisela, der frühere Bielefelder MdB Reinhard Meyer zu Bentrup, Dezernent Franz-Josef Löseke, Landtagsabgeordneter Ralf Nettelstroth und sein Vorgänger Rainer Lux und Roland Staude, Vorsitzender des Deutschen Beamtenbundes mit Sitz in Düsseldorf. Bürgermeister Andreas Rüther ließ sich entschuldigen: Wegen einer schweren Erkältung hatte ihm der Arzt strenge Bettruhe verordnet.

In diesem Jahr zum Jubiläums-Einheits-Fest gab es noch eine zweite Feierstunde. Dazu hatte die Evangelische Allianz Bielefeld eingeladen. Rund 50 Teilnehmer aus 20 Gemeinden kamen auf den Rathausplatz, sangen gemeinsam mit Vorsitzendem Heinrich Baumann unter anderem den Choral »Nun danket alle Gott«.

 

Quelle: Westfalen-Blatt, 05.10.2015


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