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Donnerstag, 12. März 2015

Strothbachwald als Zankapfel

Koalition sucht Ausweg / CDU bekräftigt Verkaufsforderung / Wahl & Co wächst

Trennender Strothbachwald: Die Spedition Wahl & Co mit ihrem Umschlagterminal (oben) und dahinter mit dem zwei Jahre alten Hochregallager sowie Parkflächen (unten) würde gern die dazwischenliegende Grünfläche überbauen, um weiter wachsen zu können. Foto: Wahl & Co

VON JOACHIM UTHMANN

Bielefeld. Der Streit um den Strothbachwald in Sennestadt ist zum großen politischen Zankapfel in Bielefeld geworden. Hier prallen Naturschutz und Wirtschaftsinteresse unversöhnlich aufeinander. Heute wird der Konflikt im Stadtrat ausgetragen. Die CDU bekräftigte gestern ihre Forderung, den Wald zum Verkauf an die benachbarte Spedition Wahl & Co freizugeben. Die neue Koalition will den Wald schützen und sucht einen Ausweg, die Firma trotzdem in Bielefeld zu halten. Ein Vorschlag: Das neue interkommunale Gewerbegebiet A2 am Hellfeld in Altenhagen.

Der Brandbrief der letzten in Bielefeld verbliebenen, familiengeführten Spedition mit der Drohung abzuwandern, hat die Politik aufgeschreckt. Sie hat es bisher versäumt, die widersprüchliche Rechtslage am Strothbach zu klären: Der Wald ist seit den 1970er Jahren als Industriegebiet ausgewiesen. Aber seit den 1990er Jahren läuft ein Verfahren, ihn unter Naturschutz zu stellen. Das blockiert eine Bebauung.

Ungeklärte Rechtslage

Die Spedition Wahl & Co ist vor 25 Jahren von der Eckendorfer Straße nach Sennestadt an die Gildemeisterstraße gezogen. Sie verdreifachte damals ihre Fläche auf 7,5 Hektar und sah sich für die Zukunft gerüstet. Doch sie wuchs weiter und baute auch die Logistik mit Lagerung für Bielefelder Autozulieferer aus. 2014 eröffnete sie ein großes Hochregallager an der Gildemeisterstraße.

Doch auch das reicht nicht mehr aus, sagt die Firma heute. Sie will ihre Geschäftsfelder ausbauen. Dafür favorisiert sie die drei Hektar des benachbarten Strothbachwaldes und anschließende 2,5 Hektar, die ihr schon gehören. Erste Pläne sahen hier drei neue Logistik-Hochregallager mit 27.000 Quadratmetern Fläche vor. Die Firma prüfe aber auch, das Umschlagterminal, Kern der Spedition, neu zu bauen und die vorhandenen Hallen für die Lagerung zu nutzen, so Geschäftsführer Jörn Wahl-Schwentker gestern. Insgesamt stehen Investitionen im zweistelligen Millionenbereich im Raum. Gebe es eine Genehmigung, könne der Bau sofort starten.

Streit um Naturschutz

Doch SPD, Grüne, Piraten und Bürgernähe sehen dafür keine Rechtsgrundlage. Sie bewerten den Wald ökologisch als so wertvoll, dass der Naturschutz nicht aufgehoben werden könne, so Jens Julkowski-Keppler von den Grünen. Gutachter belegten, dass der Wald nicht ausgleichbar sei.

Die CDU sieht das ganz anders. Sie liest aus den Untersuchungen, dass in Bielefeld sehr wohl eine Kompensation möglich wäre, so Fraktionschef Ralf Nettelstroth gestern in einer Pressekonferenz. Deshalb sollte der Bebauungsplan für Industrie umgesetzt werden und die Stadt über den Verkauf mit Interessenten verhandeln.

Zweifel an Alternativen

Für CDU-Fraktionsgeschäftsführer Detlef Werner wäre eine Ablehnung "ein schlimmes Signal an die Wirtschaft". Und für Stadtentwicklungssprecher Holger Nolte gingen der Stadt Millionenbeträge an Verkaufspreis, Arbeitsplätze, Grund- und Gewerbesteuer verloren.

Doch das will auch die neue Koalition im Rat verhindern, versichern die Fraktionschefs Georg Fortmeier (SPD) und Julkowski-Keppler. Sie arbeiten an einem Antrag, der Naturschutz und Wahl & Co gerecht werde. Dazu treffen sie sich heute Morgen auch noch vor Ort mit der Geschäftsführung des Unternehmens.

Das Bündnis will vom Wald nicht abrücken, der Spedition aber Alternativen für Zweitstandorte in Bielefeld anbieten. Das interkommunale Gewerbegebiet an der A 2 sieht Fortmeier als Favorit. Keppler schließt aber auch Anmietungen auf dem früheren AVA-Gelände an der Fuggerstraße oder aber derzeit nicht genutzte Immobilien an der Gildemeisterstraße nicht aus.

Wohl aus dem Rennen ist eine Alternative, auf deren Prüfung sich die alte Ampel aus SPD, Grünen und FDP 2011 mit Wahl & Co geeinigt hatte: ein Waldstück nordwestlich der Firma. Doch das zählt zu einem regionalen Grünzug, sei ökologisch genauso wertvoll wie der Strothbachwald und deshalb noch weniger genehmigungsfähig. Damals unterschrieben die Wahl-&-Co-Geschäftsführer in Hoffnung auf die Alternative aber auch, der Strothbachwald solle gesichert und sein Verkauf ausgeschlossen werden.

Millionen-Investition

Die expandierende Firma drängt auf neue Flächen. Wahl-Schwentker erklärte, man sei mit fünf, sechs Bürgermeistern von Nachbarstädten über Standorte im Gespräch. Ziel seien acht bis zehn Hektar, mehr als vor Ort vorhanden. Denn wie sich Wahl & Co mittelfristig entwickle, sei noch nicht abzusehen, so Wahl-Schwentker. Man setze weiter auf Wachstum.

Müsste ein zweiter Standort aufgebaut werden, würde die Spedition dort lieber ein neues modernes Umschlagterminal errichten, das etwa 90 Prozent der Arbeitsplätze mitnehmen würde. Für Sennestadt bliebe die Logistik. Den heutigen Standort ganz aufzugeben verbiete sich angesichts der Millionen-Investitionen der letzten Jahre. Bei zwei Standorten erhöhten sich aber Lkw-Fahrten und Kosten mit Nachteilen für die Umwelt.

Quelle: Neue-Westfälische, 12.03.2015


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