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Donnerstag, 12. März 2015

Das Ringen um den Strothbachwald

Wahl & Co. sucht im Umland – CDU will verkaufen – Clausen und Fortmeier zu Gesprächen im Unternehmen

Bielefeld(WB). Die neue Paprika-Koalition im Rathaus aus SPD, Grünen und Piraten/Bürgernähe muss sich schneller beweisen als gedacht. Heute im Rat geht es um die Zukunft des Unternehmens Wahl & Co. Das will abwandern, wenn es nicht den Strothbachwald als Erweiterungsfläche bekommt.

Von Michael Schläger

Die CDU hat deshalb beantragt, den vorhandenen Bebauungsplan an der Gildemeisterstraße in Sennestadt umzusetzen, den Wald an die Firma zu verkaufen. Der Waldbestand, der dann fallen müsste, solle an anderer Stelle kompensiert werden. Das Paprika-Bündnis will dagegen aus dem Wald ein Naturschutzgebiet machen.

Gestern suchte Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) das Gespräch mit dem Unternehmen. Für heute hat sich dort SPD-Fraktionschef Georg Fortmeier angesagt. Dabei soll es um Alternativflächen für Wahl & Co. gehen. Das von den Grünen ins Gespräch gebrachte frühere AVA-Gelände an der Fuggerstraße kommt dabei offenbar nicht in Betracht. Hier soll ein anderes Logistikunternehmen den Zuschlag erhalten.

Jörn Wahl-Schwentker, Mitglied der Geschäftsleitung des alteingesessenen Bielefelder Familienunternehmens, machte gestern noch einmal deutlich, dass die Abwanderung der Firma (350 Beschäftigte, mehr als 35 Millionen Euro Jahresumsatz) schnell erfolgen werde, sollte es keine Entscheidung für die Erweiterungsflächen geben. Auf den Speditionsbereich könne auch die Logistiksparte folgen. »Wir führen Gespräche im Umland«, sagte Wahl-Schwentker. Dass sich das Unternehmen nach Süden in den Kreis Gütersloh orientiert, bestätigte er nicht.

Dass das Paprika-Bündnis der Waldfläche eine so große Bedeutung beimisst, kann der Unternehmer nicht nachvollziehen. »Dass Deutschland das waldreichste Land in ganz Europa ist, ist sicher nur wenigen bekannt«, sagte er. Jedes Jahr wachse die Fläche »um 1000 Strothbachwälder. Ist Wald am Rande des Teutoburger Waldes wirklich der Engpass, an dem sich alles andere zu orientieren hat«, fragte Wahl-Schwentker. Das Bündnis aber bleibt bei seiner Haltung, dass es sich beim Wald um eine schützenswerte Fläche handelt, und fühlt sich daran auch von der Bezirksregierung bestätigt.

Der Naturschutz des Strothbachwaldes ist Teil der Koalitionsvereinbarung. Die frühere Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP hatte mit Wahl & Co. eine gemeinsame Erklärung ausgearbeitet, in der dem Unternehmen eine Alternative im nordwestlich angrenzenden regionalen Grünzug angeboten wird. Diese Flächen sind in Privatbesitz und gelten ebenfalls als schützenswert.

CDU-Ratsfraktionschef Ralf Nettelstroth, der Sprecher der Union im Stadtentwicklungsausschuss, Holger Nolte, und Fraktionsgeschäftsführer Detlef Werner begründeten gestern ihren Antrag. »Wenn es nicht mehr gelingt, Gewerbe in einem Gewerbegebiet wie dem an der Gildemeisterstraße anzusiedeln, wo hat dann das Gewerbe in dieser Stadt überhaupt noch ein Chance«, fragte Nettelstroth. Derzeit machten sich überall im Umland die Kommunen auf den Weg, neue Gewerbegebiete zu schaffen, bevor der neue Landesentwicklungsplan dies erschwere. »In Bielefeld passiert dagegen nichts.«

Aus CDU-Sicht liegen die Vorteile einer Erweiterung von Wahl & Co. auf der Hand. Für den Strothbachwald könne die Stadt einen Millionenbetrag erlösen, die Waldkompensation schon eingerechnet. Jährlich flössen zusätzlich 75   000 Euro Grundsteuer in die Stadtkasse. Außerdem dürfte Wahl & Co. deutlich mehr Gewerbesteuer zahlen.

Quelle: Westfalen-Blatt, 12.03.2015


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