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Donnerstag, 16. Januar 2014

Streit um Bäume geht weiter

Lutter-Sanierung entzweit Anrainer, Schulen und die Politik

Bielefeld (WB). Der »Kampf um die Bäume« ist jetzt voll entbrannt. Gestern demonstrierten die Schüler des Helmholtz-Gymnasiums und Anwohner der Ravensberger Straße für den Erhalt »ihrer« Platanen-Allee. Seit Monaten schon kämpfen Schüler, Lehrer und Eltern des Gymnasiums am Waldhof für den Erhalt »ihres« Parks der Menschenrechte. Auslöser: die städtischen Planungen zur Sanierung des Lutterkanals.

Von Burgit Hörttrich und Thomas F. Starke (Foto)

Umweltdezernentin Anja Ritschel wirbt seit Mitte November 2013 für einen so genannten Kompromiss: eine verrohrte Umleitung für die Lutter durch den Park der Menschenrechte (Bypass), ein Regenrückhaltebecken mit einem Fassungsvermögen von 1500 Kubikmetern (statt ursprünglich 8000 Kubikmeter), ein zweites Regenrückhaltebecken an der Ecke Teutoburger/Ravensberger Straße und dann die Sanierung der Lutter in geschlossener Bauweise im zweiten Bauabschnitt bis zum Stauteich I/Walkenmühle.

So könnten, sagt die Dezernentin, die meisten Platanen der Allee erhalten bleiben; der Park der Menschenrechte könnte nach Ende der Bauarbeiten »wieder begrünt« werden – wenn dort auch keine wirklich großen Bäume gepflanzt werden könnten. Für Lehrerkollegium, Eltern und Schüler des Gymnasiums am Waldhof spricht dessen Leiter Dr. Roland Clauß von einer »misslungenen Planung«. Der Kompromissvorschlag sei kein Kompromiss: »Nach zwei Jahren des Argumentierens und Demonstrierens, nach der Prüfung von 17 Varianten stehen wir wieder am Anfang.«

Joachim Held, stellvertretender Leiter des Helmholtz-Gymnasiums, betont, man wolle sich »nicht gegenseitig ausspielen lassen«, aber ein Zeichen setzen. Das Zeichen: eine symbolische Platanen-Besetzung und eine Menschenkette. Held: »Die Platanen-Allee ist einzigartig – nicht nur für Bielefeld, sondern auch für die Region.« Das Baumgutachten, von der Stadt in Auftrag gegeben, bescheinige den Bäumen – nur drei wiesen Pilzbefall auf – noch eine Lebensdauer von bis zu 40 Jahren. Held ist überzeugt, dass die Bäume sogar deutlich älter werden können. Er sagt: »Die Platane am Niederwall ist immerhin schon 265 Jahre alt.« Martin Enderle vom Verein »Pro Lutter«, der mit demonstriert, weiß: »Die Platanenallee wurde vor 103 Jahren angepflanzt. Damals wurde die Lutter verrohrt und unter die Erde gelegt.« Anwohner wie Annika Siebert und Ilja Meyer-Molnar gestalteten die Demo als »aktive Mittagspause« mit Kaffee, Tisch und Stühlen.

Michael Blaschke, Vorsitzender von Pro Grün, bedauert, dass es keinen »Königsweg« gebe, um alle Bäume zu retten und zugleich den Kanal zu sanieren. Glaube man den Experten, dann ließen sich nur noch wenige Argumente gegen den Bau der Regenrückhaltung im Park der Menschenrechte finden.

Heute wird über die Lutter-Sanierung in der Bezirksvertretung Mitte (17 Uhr, Altes Rathaus) gesprochen. Mitte-Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Franz (SPD) ist, wie seine Fraktion, inzwischen überzeugt, dass der Vorschlag der Verwaltung tatsächlich ein Kompromiss ist: »Der Umweltbetrieb hat uns versichert, dass eine Regenrückhaltung im Park der Menschenrechte unbedingt sein muss – auch, wenn der Lutterkanal in offener Bauweise saniert wird und die Platanen dann gefällt werden.« Grund sei der Hochwasserschutz der Altstadt, der derzeit unzureichend sei. Die CDU geht davon aus, dass in der Bezirksvertretung erst einmal die offenen Fragen – etwa nach nicht geprüften Alternativen – beantwortet werden. Die Ratsfraktion, so deren Geschäftsführer Detlef Werner, werde sich am kommenden Montag mit dem Thema beschäftigen. Für ihn selbst, so Werner, gehe »Solidität vor Schnelligkeit«: »Wir sollten uns so viel Zeit nehmen, wie wir brauchen, um eine Sachentscheidung zu fällen.«

Franz fürchtet, dass nicht »vor 2016 gebaut« werden könne, wenn nicht vor der Kommunalwahl im Mai entschieden wird. Ob es tatsächlich so kommt – das wagt er allerdings nicht vorher zu sagen. Denn, so Franz: »Mit der Lutter-Sanierung beschäftigen wir uns jetzt schon vier Jahre.«

Quelle: Westfalen-Blatt, 16.01.2014


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