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Mittwoch, 14. September 2011

Die Schulpolitiker Marcus Kleinkes und Andreas Rüther im NW-Interview

Im Land haben sich die drei großen Parteien auf einen Schulkonsens geeinigt – mit Blick auf Bielefeld sagen Andreas Rüther und Marcus Kleinkes (CDU) NW-Redakteur Kurt Ehmke, wo es aus ihrer Sicht nun lang geht.

Der Schulkonsens ist da – streichen Sie nun das Wort Einheitsschule aus Ihrem Handbuch der Kampfbegriffe?

MARCUS KLEINKES: Konsens ist, dass es weiter Haupt- und Realschulen geben soll – und dort, wo beide nicht mehr genügend Schüler haben, die Möglichkeit der Sekundarschule.

Und der Kampfbegriff?

ANDREAS RÜTHER: Es ist ein Kompromiss – und damit motten wir die Einheitsschule ein.

Sie haben mächtig Dampf gemacht gegen die Pläne in Jöllenbeck. Wo sehen Sie nun entscheidende Unterschiede zwischen Gemeinschafts- und Sekundarschule?

KLEINKES: Vor allem ist es kein Schulversuch mehr. In Jöllenbeck hat man versucht, das an sich zu reißen, weil es viel Geld dafür gab. Das aber ist kein guter Grund. Wichtiger ist es, Eltern und Lehrer mitzunehmen. Im übrigen sind die Anforderungen jetzt nicht mehr am Gymnasium ausgerichtet, sondern angepasster. So wird den Interessen der Eltern von Haupt- und Realschulkindern besser Rechnung getragen.

Sekundarschule – am besten in Jöllenbeck und Senne?

KLEINKES: Erst muss es eine Schulentwicklungsplanung geben – und dann gilt für uns, dass die Sekundarschule nur kommt, wenn sowohl Haupt- als auch Realschule zu wenig Schüler haben. In Jöllenbeck aber ist die Realschule eine wunderbar lebensfähige Schule, die von den Eltern gewollt ist.

Und die Hauptschüler?

KLEINKES: Wir müssen sehen, ob wir die nicht an anderen Hauptschulen unterbringen können. Denn: Jöllenbeck ist für mich nicht als Sekundarschule gesetzt.

Kaum eine Hauptschule kommt noch auf eine normale Einstiegsklasse. Und alle sagen seit Jahren, dass die Hauptschule Auslaufmodell ist, nur Sie nicht.

KLEINKES: Viele Hauptschulen funktionieren sehr gut.
RÜTHER: Unser Bekenntnis zur Hauptschule steht. Sie ist qualitativ eine erfolgreiche Schule, die aber gesellschaftlich an Stellenwert verloren hat.
KLEINKES: Wir werden keine Realschule auf Teufel komm raus für eine Sekundarschule opfern.
RÜTHER: Vielleicht ist die Sekundarschule mittelfristig in der Lage, sich in Bielefeld durchzusetzen, aber nicht sofort.

Gesamtschulen erleben seit Jahren einen Ansturm, jetzt auch wieder stärker von Kindern mit Gymnasialempfehlung. Also, auf zur fünften Bielefelder Gesamtschule?

RÜTHER: Ja, es gibt einen Run auf Gesamtschulen. Das hat auch mit dem G12-Abitur an Gymnasien und dem G13-Abitur an Gesamtschulen zu tun. Deshalb ist es meine feste Überzeugung: Bielefeld braucht eine fünfte Gesamtschule. Dafür stehen wir ein, weil das Elternwille ist.
KLEINKES: Aber...

Ah, da ist es, das Aber...

KLEINKES: ...ja, das Aber. All das nur auf der Grundlage einer Schulentwicklungsplanung für alle Schulen über viele Jahre.

Verfahren ist die Lage bei den Grundschulen: Sie sprachen hinter den Kulissen lange von notwendigen Schließungen, dann warfen Sie sich plötzlich mit Wucht gegen die Schließungs-Pläne der Ampel-Koalition in Bielefeld.

RÜTHER: Zu Beginn der Diskussion haben wir Schließungen nicht ausgeschlossen – sie aber vom Verfahren und der Beteiligung der Betroffenen abhängig gemacht. Dann hat die Verwaltung sehr gut gearbeitet und hervorragendes Faktenmaterial vorgelegt. Und in diesen Prozess hinein kam der Oberbürgermeister mit dem Haushaltssanierungskonzept und da standen drei Grundschulen drin – für uns völlig überraschend. Das war fatal, es war nicht abgestimmt.
KLEINKES: Und dann zaubert der Dezernent etwas später drei weitere Schulen aus dem Hut.
RÜTHER: Wir finden, endgültige Entscheidungen gehen nur mit allen Beteiligten zusammen.

Na, die Menschen vor Ort werden ja sicher gerne ihre eigenen Schulen schließen. Aber auch Sie haben nie auch nur eine Grundschule benannt.

RÜTHER: Wir sind sicher, dass keine einzige geschlossen werden muss.

Mehr Kinder können auch Sie nicht herzaubern – also, zumindest nur bedingt.

RÜTHER: Danke. Ganz klar: Ich sage das nur mit Blick auf die aktuelle Lage – in 15 Jahren kann das anders sein. Aber bis 2015/2016 sehe ich keinen Handlungsbedarf.

Der Schuldezernent sieht im künftig niedrigeren Klassenfrequenzrichtwert für Bielefeld keine neue Ausgangslage, auch, dass die kleine wohnortnahe Grundschule Ziel sein soll, beeindruckt ihn nicht. Wie sehen Sie das?

KLEINKES: Nirgendwo ist zu erkennen, dass das Aus auch nur einer Grundschule gerechtfertigt wäre. Wir können verbindliche Schuleinzugsbereiche einführen, das ist ein gutes Instrument.

Der neue Schuldezernent ist bei den Grundschulen quasi von Stillstand auf Lichtgeschwindigkeit gewechselt – nach Jahren, in denen in der Schulentwicklungsplanung sehr wenig geschah, könnte das positiv gesehen werden. Oder hat Herr Witthaus überzogen?

RÜTHER: Das würde ich anders interpretieren. Bei den Grundschulen war alles im Fluss, es gab keinen Stillstand, wir waren bei der Arbeit. Und dann kommen plötzlich sechs konkrete Schulnamen. Das macht man einfach nicht mitten in der Debatte.

Ihr Fazit zu einem Jahr Witthaus?

RÜTHER: Sagen wir es einmal so: Ich kenne andere Formen der Zusammenarbeit mit Verwaltungsspitzen. KLEINKES: Kommunikation sollte eine große Rolle spielen.

Die Grundschulen entwickeln sich zum Pudding, der an die Wand genagelt werden soll – eingeklemmt zwischen politischem Streit, Herauslavieren als Bekenntnisschule und Bürgerbegehren-Klage droht ein schwammiges "Weiter so". Ist das gut für Bielefeld?

RÜTHER: Wieder habe ich eine andere Wahrnehmung. Eltern haben sich sehr sachlich eingebracht. Ich finde, wir sind weit entfernt von Ihrem Puddingbild – wir sind in einem Beteiligungsprozess, nicht in einer Never-Ending-Story.
KLEINKES: Politisch wurde da viel unter der Gürtellinie getreten – wichtiger aber ist jetzt, dass wir die Eltern mitnehmen.

Schulleiter finden, Kinder zeugen, Kollegien im Verbund vereinen – markant im Schulprogramm bleiben: Wie soll das gehen?

RÜTHER: Wenn wir eine Schulentwicklungsplanung für zehn Jahre hinbekommen, schaffen wir Sicherheit – dann werden Konrektoren- und Rektorenstellen wieder attraktiver werden.

Ihr Wunschkonzert für die Bielefelder Schulen in den kommenden Jahren sieht wie aus?

RÜTHER: Das ist jetzt meine ganz persönliche Meinung.

Gerne.

RÜTHER: Ich finde, Bildungspolitik muss eine bundespolitische Angelegenheit werden. Sonst sind Schulen permanent ideologischen Veränderungen unterworfen. Oder monetären, wie zwischen Hessen und NRW, wo Lehrer fürs Abwerben anders verbeamtet und anders besoldet werden. Sich einigen, dann nur noch mit Zweidrittelmehrheit was verändern, das wünsche ich mir.
KLEINKES: Für Bielefeld wünsche ich mir einen Schulfrieden. Mit den neuen Instrumenten sollten wir verantwortlich umgehen, mit dem Ziel des Erhalts einer vielfältigen Schullandschaft. Dazu könnte eine fünfte Gesamtschule gehören.

Quelle: Neue Westfälische, 14. 9.2011


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